Tierarzneimittelrückstände in Fleisch von Kälbern und Ferkeln

Signet Jahresbericht 2023

Abstract

Um die Einhaltung der rechtlichen EU-Vorgaben für Tierarzneimittelrückstände in Lebensmitteln zu überprüfen, untersuchte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) 2023 neben den Proben des Nationalen Rückstandskontrollplanes zusätzlich 28 Kälber sowie 23 Ferkel auf Rückstände von Antibiotika und nichtsteroidale Antiphlogistika. Bei 11 Kälberproben sowie einer Ferkelprobe wies das LGL Antibiotikarückstände nach, die jedoch allesamt weit unter der jeweils zugelassenen Rückstandshöchstmenge waren.

Einleitung

Kälber sind aufgrund der besonderen Umstände bei der Produktion im Hinblick auf Tierarzneimittelrückstände bereits seit längerer Zeit im Fokus des LGL. Der Begriff Kalbfleisch darf EU-weit nur für Fleisch von Rindern bis zu einem Schlachtalter von acht Monaten verwendet werden (Verordnung (EU) Nr. 1308/2013). Die erhöhte Infektanfälligkeit im jungen Alter kann bei Kälbern somit zu vermehrter Antibiotikagabe führen. Bereits in vorhergehenden Untersuchungen zeigte das LGL eine erhöhte Nachweisquote an Arzneimittelrückständen in Kälbern auf, was den beiden Artikeln aus 2014 und 2015 zu entnehmen ist (siehe Artikel unter Mehr zu diesem Thema). Unter Nachweisquote ist hierbei die Quote an rückstandspositiven Proben zu verstehen, unabhängig vom nachgewiesenen Gehalt.
Das LGL untersucht deshalb im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplanes jährlich am Schlachthof gewonnene Proben von Kälbern auf eine Vielzahl verschiedener Wirkstoffe, die auch über das festgelegte Untersuchungsspektrum des Kontrollplanes hinausgehen. Im Rahmen dieses Sonderuntersuchungsprogramms wurden nun zusätzliche Kälberproben, auch aus dem Handel, angefordert. Zudem wurden Ferkelproben untersucht, um hier ebenfalls einen Eindruck über die Rückstandssituation bei jung geschlachteten Schweinen zu gewinnen.

Ergebnisse

Im Jahr 2023 untersuchte das LGL 28 Kälber- sowie 23 Ferkelproben auf Rückstände von Tierarzneimitteln. Die Herkunft der Proben beschränkte sich dabei, sofern eine Angabe vorhanden war, auf Deutschland und die Niederlande. Die Untersuchung erstreckte sich auf eine Vielzahl zugelassener Arzneimittel. Für die Untersuchung setzte das LGL modernste LC-MS/MS-Systeme ein. Diese ermöglichen die Überprüfung der Einhaltung von Rückstandshöchstmengen verschiedener Stoffgruppen, wie z. B. der Tetracycline, Sulfonamide oder Chinolone. Zusätzlich testete das LGL alle Proben auf das Vorhandensein von nichtsteroidalen Antiphlogistika.
Bei den 51 untersuchten Proben stellten die Spezialisten des LGL in 12 Proben Rückstände antibiotisch wirksamer Substanzen fest, wobei es sich mit einer Ausnahme um Rückstände in Kälberproben handelte. Alle diese Rückstände beschränkten sich auf die Antibiotikagruppe der Tetracycline, Namentlich nachgewiesen wurden Oxytetracyclin, Chlortetracyclin, sowie Doxycyclin. Die Befunde decken sich mit den Ergebnissen eines auf Initiative von Bayern veranlassten bundesweiten Monitorings 2016. Das alleinige Vorkommen dieser Substanzgruppe lässt sich mit der Wirksamkeit der betreffenden Stoffe bei bestimmten Jungtiererkrankungen der Rinder und Schweine erklären.
Die Gehalte der 2023 untersuchten Proben betrugen bei einer zulässigen Rückstandshöchstmenge von 100 µg/kg meist nur wenige µg/kg und liegen damit im Spurenbereich. Mit 24 µg/kg Doxycyclin, sowie 41 µg/kg Oxytetracyclin wurde lediglich in zwei Kälberproben ein erhöhter Gehalt nachgewiesen, der in beiden Fällen jedoch deutlich unter der zugelassenen Rückstandshöchstmenge lag. Eine Beanstandung erfolgte somit bei keiner der Proben. Dies führt die Ergebnisse des Monitorings aus dem Jahr 2016 fort, bei der ebenfalls keine Höchstmengenüberschreitungen festgestellt wurde.

Fazit

Die nachgewiesenen Gehalte der gefundenen Wirkstoffe lagen meist im Spurenbereich, in jedem Fall jedoch deutlich unter der zulässigen Rückstandshöchstmenge. Ein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher bestand in keinem Fall. Bei Kälbern liegt die Positivquote mit 11 von 28 positiven Proben jedoch bei knapp 40 % und spiegelt damit auch im Jahr 2023 die im Vergleich zu den Proben des Nationalen Rückstandskontrollplanes erhöhte Positivquote der vorangehenden Untersuchungen von Kälbern durch das LGL wider.
Die Positivquote von Ferkeln fällt im Vergleich zu den Kälberproben deutlich niedriger aus.

Maßnahmen und Ausblick

Das LGL hat einige der untersuchten Wirkstoffe nachgewiesen, wenn auch deutlich unterhalb der zulässigen Rückstandshöchstmenge. Daher ist eine weiterführende, umfassende Untersuchung von Kälbern im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplanes auf jeden Fall zielführend und wird auch künftig beibehalten werden.